Kennen Sie das strengste Gütezeichen für Naturfasern?

Textilsiegel sind ein bisschen wie ein Einkauf auf dem Wochenmarkt. Man steht vor den Ständen und weiß nicht, wem man wirklich trauen kann. Überall Hinweise auf fair oder nachhaltig. Wie so oft stellt sich die Frage: Wo steckt Substanz dahinter – und wo ist es am Ende nur ein grünes Etikett?

Fast wäre das eine Quizfrage. Eine von denen, bei denen man kurz innehält, obwohl man sich eigentlich gut auskennt. Welches Textilsiegel gilt als das strengste weltweit?

Greenpeace ist dieser Frage nachgegangen. Im Label-Guide für Bekleidung, veröffentlicht im November 2025, wurden bekannte Textilsiegel geprüft – mit dem Blick darauf, welchem man vertrauen kann. Und wo Zweifel angebracht sind.

Verschiedenfarbige Wollkleidung im Regal im Finkhof Hofladen

Insgesamt hat Greenpeace 21 Textilsiegel untersucht. Darunter unterschiedliche Ansätze. Labels, die nur einzelne Aspekte wie Schadstoffe oder Materialien bewerten, unternehmenseigene Zeichen – und zehn Siegel mit einem ganzheitlichen Anspruch, die vorgeben, die gesamte Lieferkette abzudecken.

Bei diesen zehn ging es vor allem darum, wie belastbar die Standards tatsächlich sind. Gibt es unabhängige Kontrollen? Wie streng sind die Vorgaben zu Chemikalien und Umweltauswirkungen? Wie weit reicht die Zertifizierung entlang der Lieferkette – und spielen Produktionszyklen sowie der Umgang mit Ressourcen dabei eine Rolle?

Das Ergebnis: Nur vier bestehen

Von den zehn ganzheitlichen Textilsiegeln gelten nur vier als vertrauenswürdig. Sechs erfüllen die Anforderungen nicht.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl. Sondern, dass diese vier kaum bekannt sind. Und dass ausgerechnet das strengste unter ihnen den meisten nichts sagt. Oder sagt Ihnen dieses kleine blaue Label etwas? Es steht für „Naturtextil – IVN ZERTIFIZIERT BEST“.

Grau melierte Finkhof IVN BEST Kleidung mit Naturtextil Etikett und Zertifizierungsnummer

IVN BEST zertifiziert – das sind die Vorgaben

IVN BEST ist ein Textilstandard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e. V. Er legt verbindlich fest, unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen Textilien hergestellt werden dürfen.

Kern des Standards sind klar definierte Anforderungen:

  • 100 % Naturfasern
    Synthetische Fasern oder Beimischungen sind nicht zugelassen.
  • Pflanzliche Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau
    Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden, Kunstdüngern oder Gentechnik ist ausgeschlossen.
  • Tierische Fasern aus kontrolliert biologischer Tierhaltung
    Vorgeschrieben sind artgerechte Haltung und klare Bio-Richtlinien für Herkunft und Umgang mit den Tieren.
  • Verarbeitung unter strengen Umweltauflagen
    Zugelassen sind ausschließlich geprüfte, umweltverträgliche Chemikalien. Für Schadstoffe gelten besonders niedrige Grenzwerte.
  • Abwasser- und Umweltschutz
    Produktionsabwässer müssen gereinigt und kontrolliert eingeleitet werden. Weitere Umweltauswirkungen der Herstellung werden berücksichtigt.
  • Soziale Mindeststandards
    Verbindlich sind Arbeitssicherheit, die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten sowie gesetzliche oder branchenübliche Mindestlöhne.
  • Unabhängige Kontrolle
    Die Einhaltung aller Vorgaben wird regelmäßig durch unabhängige Zertifizierungsstellen überprüft.

IVN BEST kennzeichnet damit Textilien, deren Herstellung entlang der gesamten Lieferkette ökologisch verantwortungsvoll und sozial abgesichert ist.

IVN BEST = GOTS + 10

Viel häufiger als das IVN-BEST-Siegel begegnet einem dieses kleine grüne Logo: GOTS, der Global Organic Textile Standard. Auch dieses Siegel wird von Greenpeace als vertrauenswürdig eingestuft.

GOTS Etikett grün an Kleidung

Was viele nicht wissen: IVN BEST baut auf dem GOTS-Standard auf. Der Global Organic Textile Standard wurde unter maßgeblicher Beteiligung des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e. V. entwickelt. Der IVN hat die Richtlinienarbeit entscheidend mitgeprägt.

Schauen Sie sich das BEST-Label oben mal genau an. Dort steht „Übertrifft Global Organic Textile Standard“.

Man kann sich BEST als den „großen Bruder“ vorstellen. Denn GOTS lässt an einigen Stellen mehr – etwa beim Einsatz von Kunstfasern oder bei einzelnen ökologischen Vorgaben.

IVN BEST geht hier einen Schritt weiter. Der Standard übernimmt die jeweils aktuellen GOTS-Kriterien und ergänzt sie um zehn zusätzliche Anforderungen. Dazu gehören unter anderem:

  • der vollständige Ausschluss von Kunstfasern
  • strengere Vorgaben beim Einsatz von Chemikalien
  • insgesamt höhere ökologische Anforderungen entlang der Lieferkette

Kurz gesagt: Alles, was IVN BEST erfüllt, entspricht auch dem GOTS-Standard.

Umgekehrt gilt das nicht.

Was das für uns in der Praxis bedeutet

Wir vom Finkhof sind kein klassisches Modeunternehmen. Es gibt bei uns keine saisonalen Kollektionen und keine Rabattschlachten. Viele Produkte sind seit Jahrzehnten Teil des Sortiments: die seit 1983, der Finkhof-Troyer seit 1994, Fellprodukte aus eigener Fellnäherei seit den 1980er-Jahren. Sie sind nicht für eine Saison gemacht, sondern dafür, lange getragen, gepflegt und auch repariert zu werden.

Hand zieht mit Finkhof Einziehnadel Faden in gestreiften Wollpullover

Das ist jedoch nur ein Teil nachhaltiger Mode. Es geht uns ebenso um die Menschen, die Tiere und die Umwelt. Gerade dort, wo diese Aspekte nicht mehr persönlich überprüft werden können, sind verbindliche Standards und unabhängige Kontrollen notwendig.

Darum arbeitet der Finkhof seit vielen Jahren mit GOTS und IVN BEST. Beide Siegel schaffen dort Verlässlichkeit, wo persönliche Kontrolle und Vertrauen an Grenzen stoßen.

Der Label-Guide macht sichtbar, wie wenige Textilsiegel diesen Anforderungen tatsächlich gerecht werden. GOTS und IVN BEST gehören dazu. Sie sind seit vielen Jahren die Standards, mit denen der Finkhof arbeitet. Viele Kleidungsstücke, aber auch Matratzen, Stoffe und Wolldecken aus dem Sortiment sind entsprechend zertifiziert; auch neue Produkte orientieren sich an diesen Maßstäben. Hier haben wir eine Übersicht für Sie erstellt.

Finkhof Models mit Finkhof ungefärbtem Troyer in braun beige und hellgrau hinter winterlicher Kulisse

Und doch zeigen selbst die strengsten Standards auch ihre Grenzen. Denn nicht alles, was nachhaltigen Konsum ausmacht, kann zertifiziert werden.

Siegel helfen – Verantwortung bleibt

Im Label-Guide von Greenpeace gibt es auch Kritik an den „Testsiegern“. Denn kein Siegel deckt alles ab. Themen wie die Entschleunigung von Produktionszyklen oder Reparaturfähigkeit werden bislang kaum erfasst. Siegel sind ein wichtiges Werkzeug. Sie nehmen uns die Verantwortung jedoch nicht ab.

Nicht alles, was grün wirkt, ist es auch

Greenpeace fasst es gut zusammen:
„Die wichtigste Empfehlung […] ist deshalb ganz unabhängig von Gütezeichen: weniger Kleidung und dafür bewusster kaufen, auf Langlebigkeit und Qualität achten, vorhandene Kleidung durch schonendes Waschen länger erhalten, wenn möglich reparieren und statt neu zu kaufen Kleidung tauschen oder Second Hand tragen.“

Genau darum geht es. Beim nächsten Einkauf kurz innezuhalten und genauer hinzuschauen. Sich nicht vom größten Werbeschild leiten zu lassen. Denn wirklich nachhaltige und faire Textilien erkennt man daran, dass sie nicht nur auf dem Etikett grün sind, sondern einer echten Prüfung bestehen.

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