Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?

Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?

Merinowolle ist Schurwolle. Der Unterschied liegt nicht in der Wollart, sondern in der Schafrasse. „Schurwolle“ beschreibt die Gewinnung vom lebenden Schaf, „Merinowolle“ die Herkunft von einer Schafrasse mit besonders feiner Faser.

Einfach gesagt: Jede Merinowolle ist Schurwolle. Aber nicht jede Schurwolle ist Merinowolle.

Was ist Schurwolle?

Schurwolle ist Wolle, die durch das Scheren lebender Schafe gewonnen wird. Der Begriff beschreibt ausschließlich die Art der Gewinnung. Er sagt nichts über Feinheit, Weichheit, Herkunft oder Qualität der Faser aus. Diese Eigenschaften hängen von der jeweiligen Schafrasse und Wollverarbeitung ab.

Geschorene Schafe

Was ist Merinowolle?

Merinowolle ist Schurwolle vom Merinoschaf. Ihre Besonderheit liegt im geringen Faserdurchmesser, der in Mikron (µm) gemessen wird. Mikron bezeichnet den Durchmesser einer einzelnen Wollfaser. Je niedriger der Wert, desto feiner fühlt sich die Wolle auf der Haut an.

In der Praxis werden Merinowollen nach ihrer Feinheit unterschieden:

  • strong: 24 bis 25 Mikron
  • medium: 22 bis 23 Mikron
  • fine: 19 bis 21,9 Mikron
  • superfine: 17 bis 18,9 Mikron
  • ultrafine: unter 16,9 Mikron

Zum Vergleich:

  • Coburger Fuchsschaf: 33 bis 36 Mikron
    Griffige, robuste Wolle für dicke Pullover, Strickjacken oder Wolldecken.
  • Merinolandschaf: 26 bis 28 Mikron
    Merinocharakter, aber fester und widerstandsfähiger, bspw. gegenüber Pilling.

Die Feinheit erklärt, warum Merinowolle häufig für Textilien mit direktem Hautkontakt eingesetzt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Merinoschaf und Merinolandschaf?

Das Merinoschaf stammt ursprünglich aus Spanien und wurde gezielt auf feine Wollleistung gezüchtet. Heute leben die größten Bestände in Australien, Neuseeland, Südamerika und Südafrika.

Das Merinolandschaf ist eine Kreuzung aus Merinoschaf und verschiedenen Landschafrassen. Es gilt als das am weitesten verbreitete Nutzschaf in Deutschland.

Die Wolle des Merinolandschafs ist robuster und besser an das mitteleuropäische, meist feuchte und nasse Klima angepasst. Ein Großteil der Wolle mit Finkhof-Schafkopf-Label stammt vom Merinolandschaf, von Bio-Schäfereien aus Süddeutschland.

Merinolandschafe auf der Weide

Wichtig zu wissen: Herkunft und Verarbeitung

Merinowolle stammt fast immer aus Übersee. In einigen Herkunftsländern ist das umstrittene Verfahren Mulesing, also die Entfernung der Falten um den Afterbereich mit einem heißen Messer ohne Betäubung, verbreitet.

Zudem werden viele Wollvliese in internationalen Lieferketten gewaschen und verarbeitet, bei denen die Einhaltung von artgerechter Tierhaltung sowie Menschen- und Arbeitsrechten oder ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt nicht überprüft werden.

Wem eine nachhaltige Produktion in Bezug auf Mensch, Tier und Umwelt wichtig ist, der achtet auf textile Standards wie IVN BEST oder GOTS, die von unabhängigen Stellen überprüft werden, oder kauft (Bio-)Wolle mit Ursprung in Europa.

Bunte Wollgarne im Hofladen beim Finkhof

Der Finkhof – Wollwissen seit 1976

Wir vom Finkhof arbeiten seit den späten 1970er-Jahren mit Schurwolle. Aus einer Wanderschäferei entstanden, halten wir bis heute eigene Schafe. Diese werden von der Schäferei Falkenhof für uns betreut. Jährlich kaufen wir rund 20 Tonnen Rohwolle von Bio-Schäfereien aus Süddeutschland ein und koordinieren die gesamte Verarbeitung, von der Wollwäsche bis zum fertigen Produkt.

Wir lassen die Wolle verschiedener Schafrassen verarbeiten, darunter Merinoschaf, Merinolandschaf, Juraschaf sowie weitere Landschafe mit weißem und braunem Vlies. Daraus entstehen Naturmode, Wollgarne und Wohnaccessoires. Auch in unseren Manufakturen im Allgäu, in der Fellnäherei, Stoffnäherei und Handweberei, wird Wolle in vielfältiger Form handwerklich verarbeitet.

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