Was ist Schurwolle?

Schurwolle ist Wolle, die beim Scheren vom lebenden Schaf gewonnen wird. Sie ist ein nachwachsender Naturrohstoff und unterscheidet sich von recycelter Reißwolle oder Gerberwolle von geschlachteten Tieren.

Viele heutige Schafrassen bilden kontinuierlich Wolle und müssen daher regelmäßig geschoren werden. Die Schur dient sowohl der Wollgewinnung als auch dem Wohlbefinden der Tiere.

Schurwolle wird seit Jahrtausenden für Kleidung, Bettwaren und viele weitere Anwendungen genutzt. Beim Finkhof arbeiten wir seit 1979 mit fast ausschließlich Bio-Schurwolle und begleiten ihren Weg bei vielen Produkten, von der Rohwolle bis zum fertigen Produkt.

Was das konkret bedeutet, lässt sich am besten dort verstehen, wo Schurwolle ihren Anfang nimmt: im Schafstall, an einem frühen Morgen, wenn die Schur beginnt.

Kommen Sie mit auf eine Reise

Es ist Mitte Dezember, 8 Uhr morgens im Schafstall. Wir sind eingepackt in Arbeitskleidung, der Tag kann beginnen. Es riecht nach Schaf, hier und da blökt es. Rund 250 Schafe – vom Falkenhof und aus unserer kleinen Finkhof-Herde, die dort für uns mitbetreut wird – warten auf die Schur.

Ein Scherer, eine Schererin und viele helfende Hände sind im Einsatz. Schafe werden herangeführt und geschoren, die Wolle direkt sortiert und in große Säcke gepackt. Weiße Wolle, braune Wolle, Lammwolle, Restwolle – alles hat seinen Platz.

Geschorene Schafe

Langsam geht die Sonne auf, im Stall wird konzentriert gearbeitet. Schaf für Schaf. Gegen 10 Uhr gibt es ein gemeinsames Frühstück. Man kennt sich.

Am Ende dieses Morgens stehen acht große Säcke Rohwolle im Stall. Oder eben Schurwolle. Noch ungewaschen, voller Schafgeruch. Manche würden sagen: Sie stinkt. Für uns ist das der Geruch vom Anfang.

Finkhof Coburger Füchse Rohwolle in Säcken

Zusammen mit der Rohwolle anderer Bio-Schäfereien aus Süddeutschland geht sie weiter in die Wollwäscherei. Nach dem Waschen bleiben rund zwei Drittel für die Verarbeitung übrig. Der Rest besteht aus Schmutz, sehr kurzen Fasern und Wollfett. Letzteres ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff, etwa für Naturkosmetik.

Schur ist übrigens mehr als Tradition oder Handwerk. Sie ist notwendig.

Warum werden Schafe überhaupt geschoren?

Viele heutige Schafrassen sind darauf gezüchtet, kontinuierlich Wolle zu bilden. Eine regelmäßige Schur ist deshalb notwendig. Sie dient der Gewinnung der Wolle zur Weiterverarbeitung und zugleich dem Wohlbefinden und der Gesundheit der Tiere.

Ohne Schur kann das Vlies verfilzen. Die Haut wird schlecht belüftet, Feuchtigkeit staut sich, und das Risiko für Hautprobleme und Erkrankungen steigt.

Der Finkhof – Schafe seit 1979

Wir sind die Schäfereigenossenschaft Finkhof. Seit 1979 sind wir dem Schaf und der Wolle verbunden. Seit 1992 sind wir Bioland-Mitglied und damit Bio-Pioniere. Aus einer eigenen Wanderschäferei entstanden, leben bei uns bis heute Schafe: eine kleine Herde mit rund 100 Muttertieren der alten Landschafrasse Coburger Füchse. Sie stehen im alten Stall der Genossenschaft und werden von der befreundeten Falkenhof-Schäferei betreut.

Schafe der Schäferei Falkenhof auf der sonnigen, grünen Weide

Über die Jahrzehnte ist der Finkhof zu einem Onlineshop für Naturmode, Wolle und Felle mit tausenden Produkten gewachsen. Einen Überblick finden Sie auch in unserem kostenlosen Katalog.

Unser Fokus liegt auf möglichst naturbelassener Bio-Wolle und sozial verantwortlicher Herstellung, zertifiziert etwa nach IVN BEST oder GOTS. Den Weg der regionalen Bio-Wolle aus Süddeutschland organisieren wir selbst, von der Rohwolle über Verarbeitung, Muster und Design bis zu dem Moment, in dem das Paket bei Ihnen ankommt. Und einige Produkte entstehen auch bei uns vor Ort im Allgäu, in unserer Stoffnäherei, Fellnäherei und Handweberei.

Die Wolle wird sortiert

Finkhof Schafschur, die Wolle wird sortiert

Schon bei der Schur wird die Wolle nach Art und späterer Verwendung getrennt. Dafür stehen unterschiedliche Säcke bereit: für weiße Wolle, braune Wolle, Lammwolle und Restwolle.

  • Weiße und braune Schurwolle bilden die Grundlage vieler Finkhof-Produkte, von Pullovern und Wolldecken bis hin zu ungefärbten Wollgarnen. Die natürlichen Farbtöne stammen vom Tier selbst.
  • Lammwolle ist die Wolle aus der ersten Schur eines Schafes. Sie ist meist besonders weich. Je nach Schäferei wird sie separat gesammelt oder den passenden Farbsäcken zugeordnet.
  • Restwolle ist stark verschmutzt oder besteht aus sehr kurzen Fasern. Für die textile Verarbeitung ist sie kaum geeignet. Trotzdem kann sie weiterverwendet werden, zum Beispiel als Düngepellets für den Hausgarten oder die Landwirtschaft.

Der Weg der Finkhof-Wolle

Mit der Schur beginnt die Reise der Wolle erst. Bis aus Rohwolle ein Garn oder ein fertiges Produkt wird, sind viele Schritte nötig – und einige, auf die wir ganz bewusst verzichten.

Waschen – Nach der Schur kommt die Rohwolle in eine Wollwäscherei. Dort wird sie schonend gewaschen, sodass ein Teil des natürlichen Wollfetts in der Faser erhalten bleibt und weniger Waschmittel ins Abwasser gelangt. Anschließend wird die Wolle natürlich getrocknet.

Wolle wird maschinell gewaschen

Kardieren und Spinnen – Ist die Wolle sauber und trocken, geht es weiter in eine Streichgarnspinnerei im Osten Deutschlands. Dort wird sie kardiert und in einem traditionellen, vergleichsweise langsamen Verfahren zu Garn versponnen und verzwirnt. So entstehen voluminöse Garne mit weichem Griff und guter Festigkeit.

Färben oder ungefärbt belassen – Einen großen Teil unserer Produkte belassen wir ungefärbt. Die natürlichen Farben entstehen durch unterschiedliche Schafrassen und Wollmischungen: Naturweiß vom Merinolandschaf, warme Brauntöne von dunklen Vliesen, Beige vom Coburger Fuchsschaf oder Grau-Melangen aus weißen und braunen Fasern.

Soll ein farbiges Garn entstehen, wird die Wolle in einer Textilfärberei in Deutschland gefärbt. Die eingesetzten Farbstoffe sind umweltschonend, hautverträglich und entsprechen den strengen Richtlinien des IVN. Problematische Substanzen wie Schwermetalle oder Azofarbstoffe sind ausgeschlossen. Die meist chemischen Farbstoffe werden dabei nahezu vollständig von der Wollfaser aufgenommen.

Bunte Wollgarne im Hofladen beim Finkhof

Bewusster Verzicht – Was viele nicht sehen: In der konventionellen Verarbeitung wird Wolle häufig zusätzlich behandelt, etwa gebleicht, gechlort, kunstharzbeschichtet, damit sie nicht verfilzt, oder karbonisiert, um Pflanzenreste mit Säuren zu entfernen. Auf diese Schritte verzichten wir bewusst, da sie die Umwelt belasten und die Faserqualität beeinträchtigen können. Stattdessen wird bereits bei der Schur Stroh und Heu so gut wie möglich von Hand entfernt.

Das bedeutet auch: In einem Wollpullover kann sich einmal ein kleines Stück Stroh finden. Und reinweiße oder grellbunte Textilien lassen sich aus der Finkhof-Wolle nicht herstellen. Das ist der Preis für möglichst naturbelassene Wolle, den wir bewusst in Kauf nehmen. Hier finden Sie mehr zu unserer Wolle.

Welche Form die Wolle am Ende annimmt – Pullover, Bettdecke oder Hausschuhe – entscheidet sich nicht am Schurtag, sondern erst in den Wochen und Monaten danach.

Die Verarbeitung in den Finkhof-Manufakturen

Einmal im Jahr wird bei uns geschoren. Den Rest des Jahres beschäftigen wir uns damit, was aus der Wolle entstehen kann – und mit dem Versand vieler Bestellungen. Ein Teil unserer Produkte entsteht bei langjährigen Partnerbetrieben und wird durch unabhängige Stellen kontrolliert. Dabei achten wir so weit wie möglich auf artgerechte Tierhaltung und faire Bedingungen entlang der Lieferkette.

Gleichzeitig entstehen viele Finkhof-Produkte im kleinen Ort Arnach im Allgäu.

Hier arbeiten wir in unseren eigenen Manufakturen – überschaubar und nah am Material.

Stofflager beim Finkhof, Stoffrollen

Handweberei – In unserer Handweberei entstehen Schals, Teppiche und Türvorhänge. Faden für Faden, in Handarbeit.

Fellnäherei – In der Fellnäherei verarbeiten wir Schaffelle, die wir selbst bei Schäfereien aus Süddeutschland abholen. Schurwolle kommt hier ebenfalls zum Einsatz: als Füllmaterial für Fellkissen oder als Wollplüsch bei Fahrradsattelbezügen.

Stoffnäherei – In der Stoffnäherei werden Stoffe aus Wolle und Baumwolle zu Kleidungsstücken wie Schlauchschals, Wollhosen oder Röcken verarbeitet.

Bei regelmäßigen Führungen geben wir Einblick in unsere Arbeit. Denn wir teilen unser Wissen gerne und zeigen, wie das Handwerk rund um die Schurwolle bei uns bis heute gelebt wird.

Was ist das Besondere an Schurwolle?

Wer länger mit Schurwolle arbeitet, merkt schnell:
Ihre besonderen Eigenschaften zeigen sich nicht im ersten Moment, sondern im Alltag. Wir erleben das seit Jahrzehnten – nicht aus Überzeugung allein, sondern durch den täglichen Umgang mit Wolle. Schurwolle kann viel, und sie tut das auf eine sehr natürliche Art.

Wärme, die nicht staut
Die gekräuselte Wollfaser schließt feine Luftpolster ein. Diese gespeicherte Luft wirkt wie eine natürliche Isolationsschicht. Schurwolle hält mithilfe der eigenen Körperwärme sanft und gleichmäßig warm – ob als Pullover, Wolldecke oder Mütze. Gleichzeitig verhindert genau diese Struktur, dass sich Hitze staut. Deshalb funktioniert Wolle nicht nur im Winter, sondern auch in Übergangszeiten oder in kühlen Sommernächten.

Das zeigt sich besonders deutlich bei Kleidungsstücken und Bettwaren: Man friert nicht schnell – und man fühlt sich nicht so verschwitzt.

Naturmatratze mit Schafschurwolle wird genäht

Feuchtigkeit regulieren statt festhalten
Schurwolle kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Wasserdampf wird im Inneren der Faser gebunden und langsam wieder abgegeben. Das sorgt für ein trockenes, ausgeglichenes Klima. Zum Beispiel bei Wollsocken, die warmhalten, ohne feucht zu werden, oder bei Bettwaren, die ein ruhiges Schlafklima unterstützen.

Diese Eigenschaft ist einer der Gründe, warum viele Menschen Wolle als so „angenehm“ empfinden, ohne es genau benennen zu können.

Pflegeleicht, langlebig und widerstandsfähig
Das natürliche Wollfett umhüllt die Faser und wirkt schmutzabweisend. Staub und Gerüche setzen sich weniger schnell fest, häufig reicht Lüften aus. Gleichzeitig sind Wollfasern elastisch und formstabil. Richtig verarbeitet und gepflegt, begleiten Schurwollprodukte über viele Jahre. Nicht selten hören wir von Kundinnen und Kunden, die ihre Wollpullover seit Jahrzehnten tragen.

Schwer entflammbar
Schurwolle ist außerdem von Natur aus schwer entflammbar. Sie schmilzt nicht, tropft nicht und entwickelt im Brandfall kaum giftige Gase. Diese Eigenschaften machen sie nicht nur für Kleidung interessant, sondern auch für andere Einsatzbereiche wie Isolierungen.

Hautfreundlich – auf ihre eigene Art
Schurwolle wirkt auf viele Menschen wohlig und ausgleichend auf der Haut. Besonders naturbelassene Wolle mit einem Rest an Wollfett wird häufig als angenehm empfunden, da sie die Haut nicht austrocknet und ein stabiles Mikroklima unterstützt. Wie sich Wolle anfühlt, ist individuell. Ihre hautfreundlichen Eigenschaften bleiben davon jedoch unberührt.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die begeistert: Schurwolle wirkt nicht spektakulär. Sie funktioniert. Still, zuverlässig und unkompliziert. Gemacht, um zu bleiben. Das Gegenteil von Fast Fashion. Für uns ist sie kein Trendmaterial, sondern ein Werkstoff, mit dem man alt werden kann. Mit dem wir alt geworden sind, um ehrlich zu sein. Und den wir immer wieder neu schätzen lernen.

Und genau diese Eigenschaften entscheiden darüber, wo uns Schurwolle im Alltag begegnet.

Wofür wird Schurwolle verwendet?

Schurwolle begleitet uns seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich. Nicht theoretisch, sondern im Alltag. Ein früher Meilenstein war das Jahr 1983: Damals ließen wir erstmals dicke Finkhof-Socken aus unserer eigenen Wolle stricken. Warm und robust – und bis heute in unserem Sortiment.

Stand der Schäfereigenossenschaft Finkhof auf dem Wochenmarkt

Am wahrscheinlich häufigsten begegnet uns Schurwolle als Kleidung.

Sie wird zu Pullovern, Jacken, Westen, Socken, Mützen oder Unterwäsche verarbeitet. Gerade bei Stücken, die nah am Körper getragen werden, zeigen sich ihre Stärken: Sie wärmt, gleicht Temperaturen aus und bleibt auch bei regelmäßigem Tragen lange in Form.

Auch im Wohn- und Schlafbereich spielt Schurwolle eine große Rolle. In Decken, Unterbetten, Kissenfüllungen, Matratzenauflagen oder Teppichen sorgt sie für ein ausgeglichenes Klima. Viele schätzen, dass sie wärmt, ohne zu überhitzen, und Feuchtigkeit reguliert – Nacht für Nacht, Jahr für Jahr.

Wolldecken und Fellkissen in Herzform vom Finkhof

Dort, wo Wärme gezielt eingesetzt wird, kommt Schurwolle ebenfalls zum Einsatz: als Kissen, Auflage oder Wärmeanwendung. Sitzauflagen, Rückenwärmer oder Wärmehüllen werden häufig als wohltuend empfunden, etwa bei Kälte oder Verspannungen.

Neben fertigen Produkten bleibt Schurwolle auch als Material für Handarbeit wichtig. Garne zum Stricken, Häkeln, Weben oder Filzen sowie Wollstoffe als Meterware ermöglichen es, selbst kreativ zu werden.

Was viele überrascht: Schurwolle endet nicht bei Kleidung oder Wohnen. Das bei der Wollwäsche anfallende Wollfett wird in Naturkosmetik eingesetzt.

Finkhof Pflegemilch und Pflegebalsam mit Wollwachs auf einem Tisch

Und selbst stark verschmutzte Rohwolle findet noch Verwendung. Etwa im Garten, wo sie als Düngepellets Boden und Pflanzen unterstützt.

Schurwolle begleitet uns als Kleidung, wärmt im Bett, pflegt die Haut und nährt den Boden. Und all das findet sich auch in unserem Sortiment wieder.

Wolle verbindet: Von Australien bis ins Allgäu

Da sind wir ziemlich weit gekommen: vom Schafstall am frühen Morgen bis zu fertigen Produkten, die uns im Alltag begleiten. Und manchmal auch gedanklich bis nach Australien oder Südamerika – dorthin, wo ebenfalls Schafe gehalten und Wolle gewonnen wird. Und dann wieder zurück ins Allgäu.

Eine Frage bekommen wir dabei fast jedes Jahr gestellt: Warum werden die Finkhof-Schafe im Winter geschoren?

Die Antwort ist einfach. Im Winter stehen die Tiere im warmen Stall und bringen dort geschützt ihre Lämmer zur Welt. Lange Wolle würde sich in dieser Zeit schnell mit Futterheu vermischen und verfilzen. Um diese Pflanzenreste später zu entfernen, müsste die Wolle chemisch behandelt werden – das lehnen wir ab.

Die Wolle wächst nach der Schur zügig wieder nach. Die Tiere frieren nicht und haben es im Stall ebenso wie im Frühjahr, wenn es wieder hinaus auf die Weiden geht, angenehm warm.

Finkhof Schafe auf dem Falkenhof im April 2025

Am Ende eines Schurtages riechen wir selbst ordentlich nach Schaf. Wir brauchen erst einmal eine kräftige Dusche. Aber wir wissen: Das hat sich gelohnt.

Denn wenn wir später das fertige Produkt in den Händen halten, spüren wir, warum wir diesen Weg gehen. Und sind jedes Mal ein wenig stolz.

Wenn Sie noch tiefer in die Finkhof-Welt eintauchen möchten, laden wir Sie ein, weiterzublättern – digital oder ganz gemütlich, vielleicht mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und unserem Print-Katalog in der Hand. Gerne schicken wir ihn Ihnen kostenfrei zu oder begrüßen Sie bei einer unserer Führungen vor Ort.

aufgeschlagener Finkhof Katalog liegt auf blauem Stoff

Häufige Fragen zum Thema Schurwolle und Schafschur

Warum empfinden manche Menschen Schurwolle als kratzig – und andere nicht?

Ob Schurwolle als angenehm oder kratzig empfunden wird, hängt vom Zusammenspiel aus Hautempfinden, Faserstärke und Verarbeitung ab – nicht von der Wolle an sich. Empfindliche Haut reagiert vor allem auf kräftigere Fasern, während sehr feine Qualitäten oft als weicher wahrgenommen werden.

Auch das natürliche Wollfett (Lanolin) beeinflusst das Hautgefühl: Es macht die Faser geschmeidig und ist grundsätzlich hautfreundlich. Wer sensibel reagiert, kann mit feinerer Wolle, Mischungen wie Wolle-Seide oder einer dünnen Schicht Baumwolle darunter gut ausgleichen.

Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?

Merinowolle ist Schurwolle. Der Unterschied liegt nicht in der Wollart, sondern in der Schafrasse. Merinowolle stammt vom Merinoschaf, das für seine besonders feine und weiche Faser bekannt ist.

Große Merinobestände gibt es hauptsächlich in Australien, Neuseeland, Südamerika und Südafrika. In Deutschland spielt hingegen das Merinolandschaf eine wichtige Rolle. Es ist eine Kreuzung aus Merinoschaf und verschiedenen Landschafrassen und das am weitesten verbreitete Nutzschaf hierzulande.

Seine Wolle ist etwas kräftiger als klassische Merinowolle, dafür gut an das nasskalte Klima angepasst, robust, langlebig und vielseitig einsetzbar. Neben der Wolle liefert das Merinolandschaf auch Fleisch und wird daher doppelt genutzt.

Was genau ist Mulesing?

Mulesing ist eine Praxis aus der Schafhaltung, die primär bei großen Merinoherden in Australien angewendet wird, um Fliegenmadenbefall zu verhindern. Dabei werden Hautfalten im Afterbereich entfernt, sodass sich Fliegenlarven dort nicht einnisten können.

In Europa ist Mulesing verboten, ebenso in der kontrolliert biologischen Tierhaltung (kbT). Alle unsere Wollprodukte mit GOTS-, IVN- oder Bioland-Zertifizierung sind mulesingfrei – auch bei Wolle aus Australien oder Neuseeland.

Wie kann ich Wollprodukte richtig pflegen und waschen?

Schurwolle ist von Natur aus pflegeleicht. In vielen Fällen genügt es, das Kleidungsstück im Schatten auszulüften. Einfacher geht Pflege kaum.

Wird Wolle direkt auf der Haut getragen oder ist sie stärker verschmutzt, empfiehlt sich eine schonende Wäsche: im Wollwaschgang bis 30 °C, mit Wollwaschmittel und nur sanft geschleudert (maximal 400 U/min). Auf den Trockner sollte verzichtet werden. Nach dem Waschen das Stück vorsichtig in Form ziehen und liegend auf einem Handtuch trocknen.

So bleibt die Faser elastisch, das Wollfett möglichst erhalten – und das Wollprodukt lange schön.
Ausführliche Hinweise finden Sie unter Waschen von Wollprodukten.

Wie bekomme ich den Schafgeruch aus der Wolle?

Der typische Wollgeruch verliert sich meist von selbst. Durch Tragen und regelmäßiges Lüften nehmen Wollprodukte nach und nach den eigenen Geruch an. Häufiges Waschen ist dafür nicht nötig.

Kann man eingelaufene Wollkleidung retten?

Die Erfolgschancen sind begrenzt. In manchen Fällen lässt sich ein nasses Kleidungsstück vorsichtig in Form ziehen. Hausmittel wie Conditioner, Essig oder sanfter Dampf können helfen, garantieren aber kein Ergebnis.

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